1 – Seit 2001 treffen sich jedes Jahr im Herbst Bürgerinnen und Bürger aus zuletzt 21 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, Zivilisten und Offiziere, Mitglieder von Vereinigungen, Wissenschaftler von Universitäten und Forschungsinstituten, Journalisten und politische « Nachwuchskräfte », angetrieben von dem Gedanken, das Europa der Sicherheit und der Verteidigung voranzubringen, für ein paar Tage zu einem Seminar im Haus der Goethe-Stiftung in Klingenthal nahe Straßburg, welches von der französischen Gesellschaft « Civisme Défense, Armée Nation »(CiDAN) in Zusammenarbeit mit der Stiftung Charles Léopold Mayer "für den Fortschritt der Menschheit" (FPH) sowie der Ecole de la paix von Grenoble veranstaltet wird.
2 – Ziel dieser Seminare ist es, in der Öffentlichen Meinung der verschiedenen Mitgliedsstaaten die Entstehung eines «Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsbewusstseins» (ESVB) zu fördern, welches als der «humanistische, soziale und demokratische» Teil der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) verstanden wird. Der Begriff «Europäisches Sicherheits- und Verteidigungsbewusstsein» (ESVB) ist dabei Ergebnis einer einvernehmlichen Harmonisierung von in den Teilnehmerländern gebräuchlichen Begriffen wie "Veteidigungsgedanken, - willen oder –kultur".
3 –
Auf dem Gebiet der Sicherheit und der Verteidigung müssen die Handlungen der nationalen Regierungen und der Europäischen Institutionen von der Zustimmung der Bürger in ganz Europa getragen werden. Die institutionellen Einrichtungen können nur Legitimität gewinnen, wenn sie von den Bürgern gekannt und angenommen werden. Ein ESVB kann nur auf gemeinsam festgelegten Grundsätzen auf der Basis anerkannter Werte und einer gemeinsamen Kultur sowie mittels konkreten, glaubwürdigen und klaren Errungenschaften geschaffen werden, ohne dabei nationale Eigenheiten (Sprache, Bräuche, etc…) in Frage zu stellen. Die europäischen Bürger, die sich dieser Herausforderung besonders bewusst sind, müssen gemeinsam in diesem Sinne zusammenwirken.
4 – Was die Mittel und Wege zur Entfaltung des ESVB betrifft, muss der Schwerpunkt auf Information und Erziehung zu einem Sicherheits- und Verteidigungsdenken durch die Bildungseinrichtungen und im erlebten Bürgertum liegen. Fünf Akteure sind zur Festigung des ESVB und zur « Übermittlung » dieser Botschaft vorrangig: Politiker, Medien, Lehrer (an Universitäten und Schulen), Diplomaten und Soldaten. Diese Akteure müssen gewonnen werden.
5 – Alle müssen von der Notwendigkeit überzeugt werden, die Anstrengungen auf dem Gebiet der Sicherheit und der Verteidigung zu bündeln, nicht nur für die Festigung der Europäische Union selbst, sondern auch für die Behauptung des Ranges, den die Union in der Welt einnehmen soll. Um diese Ziele zu erreichen müssen drei Hauptprobleme gelöst werden: das Risiko der Isolierung der modernen Berufsarmeen von der Bevölkerung muss gebannt werden, die transatlantische Verbindung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten muss neu definiert werden, die Verteidigungsanstrengungen in der EU insgesamt und bei zahlreichen Mitgliedsstaaten im Besonderen müssen verstärkt werden. Ohne militärische Fähigkeiten kann in der Weltpolitik kein Enfluß genommen werden: dies wird besonders deutlich mit Blick auf Afghanistan, Palästina und Irak.
6 – Nachwuchskräfte und Studenten haben aktiv an diesem "Klingenthal-Prozess" teilgenommen. Überzeugt davon, dass der Frieden die wertvollste Frucht der Europäischen Einigung ist, bestärken sie ihren Willen, ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen. Wie die Meinungsumfragen regelmäßig zeigen, sind die Bürger den Regierenden auf dem Gebiet der gemeinsamen Sicherheit und Verteidigung oft voraus und die Jugend marschiert an der Spitze. Das ist eine große Ermutigung.
7 –
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das ESVB direkt an den politischen Willen gebunden bleibt. Die Entstehung eines ESVB und die Unterstützung der ESVP gehören zusammen: ersteres legitimiert die zweite. Ein politischer Wille kann nur von entschlossenen und überzeugten Menschen erwartet werden. Solche gilt es zu wählen. Die gleichzeitige Entwicklung des Verteidigungsbewusstseins beruht ohne Zweifel auf Erziehung, Bildung und Information, aber auch auf dem Wunsch sich zu engagieren und zu handeln. Es ist an der Zeit, die Begeisterung für Europa wieder neu zu wecken!
8 – Nach Abschluss der achtjährigen, dem Konzept eines ESVB gewidmeten Seminarreihe ist die Arbeit in 2009 darauf ausgerichtet gewesen, das Erreichte zu festigen und auf dem vorgezeichneten Weg voranzuschreiten, insbesondere eine Charta auf den Weg zu bringen, die sich auf konkrete Vorhaben stützt, sowie in einem ersten Schritt ein Netzwerk unter Nutzung der modernen Informationstechnologien auszubauen mit dem Ziel der Schaffung einer strukturierten Föderation vergleichbarer Vereinigungen/Gesellschaften. Gehen wir es an!
