Armed Forces, Peace and Democracy
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Monatsbrief September

Kurznachricht aus Afghanistan

Die wichtigste Nachricht des Monats – gleichzeitig auch die bewegendste – erreicht uns aus Kabul!

Unser Freund Kamal Schamsudin teilt uns seine Gedanken über die Zukunft Afghanistans zu einem entscheidenden Zeitpunkt auf dem Weg des Landes zur Demokratie mit.

Er hatte an den beiden Kolloquien des Europa-Asien-Forums im Schloss Klingenthal (Elsass) 2007 (zum Nachlesen des Seminarberichts hier klicken ) und am Ufer des Issyk-Kul-Sees 2008 teilgenommen (wo wir die Hoffnung hatten, den Konflikten vielleicht entgegenwirken zu können, die dieses schöne Land - vor allem aber die Stadt Osch - im Sommer erleiden mußten ). Er hat die ganze Zeit über den Kontakt mit dem Netzwerk gehalten, um uns über die Entwicklungen im eigenen Land auf dem Laufenden zu halten.

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Er schreibt uns:

"Ich freue mich, Sie über die Neuigkeiten aus Afghanistan informieren zu können. Wir haben soeben die Parlamentswahlen abgehalten. Alles ist relativ gut gelaufen.

Die Taliban hatten damit gedroht, für Chaos zu sorgen und versucht, den Ablauf effektiv zu behindern. Aber glücklicherweise konnten sie nichts wirklich schlimmes anrichten. Allerdings stehen weiterhin einzelne Distrikte einiger Provinzen unter der Kontrolle der Taliban. In jenen Disktrikten konnten nicht alle Wahllokale geöffnet werden.

In diesen Tagen spricht man in den Straßen von Kabul viel über den Abzug der Amerikaner 2011. Aber es hat eher den Anschein als blieben sie noch längere Zeit in Afghanistan.

Der beunruhigendste Fakt ist, dass sich der Lebensstandard der Menschen stetig verschlechtert. Die Ankunft des Winters bereitet der Bevölkerung Sorge, da in dieser Zeit viele keine Arbeit finden.

Die Bevölkerung verliert immer mehr das Vertrauen in die ISAF, die NATO und die Truppen der Koalition. Dies vor allem, weil sich trotz 130.000 ausländischer Soldaten in Afghanistan die Situation von Tag zu Tag verschlechtert und weil immer noch keine Sicherheit garantiert ist.

Die Zukunft sieht für die Afghanen dunkel aus. Einige politische Parteien glauben, dass die ehemaligen Kämpfer (die Mudschahedin) etwas gegen die Taliban ausrichten könnten, wenn sie sich besser organisieren würden, um den Frieden nach Afghanistan zu bringen. Aber dies ist derzeit nur eine von mehreren Ideen.

Präsident Karsai hat den Versuch unternommen, eine Friedenskommission einzusetzen, die sich aus den ehemaligen Befehlshabern der Mudschahedin, dem Ältestenrat, Intellektuellen und aus Vertretern der politischen Parteien zusammensetzt. Die Kommission dürfte ihre Arbeit bald aufnehmen, aber es bleibt offensichtlich, dass der Erfolg dieser Kommission unmittelbar mit den Abmachungen mit unseren Nachbarstaaten, vor allem Pakistan und Iran zusammenhängt.

Ein weiteres großes, bislang ungelöstes Problem in Afghanistan ist die Korruption. Trotz der andauernden Bemühungen der internationalen und afghanischen Organisationen bleibt die Korruption in der Verwaltung eine Tatsache.

Außerdem haben die Unwetter und Überschwemmungen in Pakistan die dortige Landwirtschaft schwer getroffen und da Afghanistan einen Großteil seiner Nahrungsmittel aus Pakistan importiert, wird die dortige Katastrophe schlimme Auswirkungen auf die Preisentwicklung und die Versorgungslage in Afghanistan im kommenden Winter haben. Man muss sich bei verschiedensten Produkten auf erhebliche Versorgungsprobelme einstellen, auch wenn die Ernte in Afghanistan selbst in diesem Jahr recht gut ausgefallen ist.

Ich verfolge stetig mit großem Interesse die Neuigkeiten, die über die Homepage unseres Netzwerks ausgetauscht werden. Falls es demnächst in Tadschikistan ein Seminar zu den Wasserressourcen geben sollte, wäre ich Ihnen für eine rechtzeitige Mitteilung darüber sehr dankbar. Ich wäre auf jeden Fall dabei und könnte zusammen mit einer Person teilnehmen, die über die Wassernutzung gute Kenntnisse hat.

Mit meinen besten Grüßen,

Kamal Schamsudin

Published in September 2010 by Kamal Shamsoddine, Afghanistan

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